Geburtsbericht- wie man seine große Liebe trifft (eine von vier- ich Glückspilz)

Verfasst am 09.09.17:
Heute ist dein zweiter Lebenstag. Der zweite Tag mit dir in meinen Armen und weil ich heute sowieso in einem Tal der Tränen schwimme kann ich auch gleich dazu übergehen die genauen Geschehnisse vor während und kurz nach deiner Geburt aufzuschreiben.
Wo fange ich da an? Ich muss ein wenig ausholen. Eigentlich hast du schon angekündigt dass die Tage im Bauch gezählt sind. Aber diese Zeichen richtig zu deuten war nicht so einfach. Schließlich dauerte dieses ‚vorwarnen‘ bei deinem Bruder damals auch ganz schön lange. Ich hatte also in den Tagen vor der Geburt immer wieder wehen. Kaum schmerzhaft aber doch da und hin und wieder schon in regelmäßigen Abständen. Meine größte Sorge und die meiner Umgebung war dass ich deine Geschwister nicht rechtzeitig abgeben kann und du es zu eilig hast. Dein Papa hatte am Mittwoch den 06.09 seinen letzten Arbeitstag. Ab da an wollte er zu Hause bleiben und mir dabei helfen auf dich zu warten. Und weil auch deine Oma schwer aufgeregt war und gern rechtzeitig zur Stelle sein wollte machten wir einfach auf gut Glück einen übernachtungstermin für diesen Abend aus. Deine Oma würde bei uns übernachten um für den Fall der Fälle in der Nähe zu sein. Ich hatte vor wie bei Theo dem Geheimtipp meiner Frauenärztin nachzugehen und eine frische Ananas mit Zimt zu essen. Die soll Enzyme haben die einen Geburtsbeginn begünstigen können. Bei Theo hatte es schon mal den nötigen Anstups gegeben und wir wollten es zumindest versuchen. Es war also ein toller Plan.
An diesem Mittwoch Nachmittag war Susi, eine gute Freundin, bei uns mit ihren Kindern Sophia und Levi. Levi der damals keinen Zweifel an der Ananas Theorie gelassen hatte. Wir machten den ganzen Mittag schon Witze über die Ananas und unseren ausgeklügelten Plan aber im Hinterkopf dachte ich immer: nie im Leben kann ein Plan so aufgehen.
Gegen später ging ich auf die Toilette. Ich spürte schon seit Tagen einen unglaublichen druck nach unten und irgendwie war meine Unterhose leicht feucht. Als ich von der Toilette kam war mir klar was eben passiert war. Der Schleimpfropf der den Gebärmutterhals verschließt war abgegangen. Ich spürte sofort eine große Unruhe aufkommen. Ich wusste zwar aus der Literatur dass das abgehen des Schleims nicht bedeutet, dass es unmittelbar losgeht aber dennoch ist es ein Startschuss, das war sicher und so eindeutig gewesen. Bei den beiden ersten Kindern hatte ich dieses ‚Zeichen‘ immer herbeigesehnt aber nie so deutlich bemerkt.
Mit ein bisschen zittrigen Knien ging ich zu Susi und den Kindern und berichtete ihr. Sie war gleich ganz aus dem Häuschen und ich durch den Wind. Ich hatte doch noch keine Ananas gegessen nur seit zwei Tagen Wehentee getrunken. Die Unruhe die mich überfiel war riesig. Wie eine Irre fegte ich durchs Haus. Hatte ich doch in den letzten Tagen und Wochen immer versucht alles sauber und ordentlich zu hinterlassen damit zum Tag x dann alles bereit war. Jetzt waren da 4 wunderbar wilde Kinder im Haus und ich wollte nur eins: Ordnung herstellen.
Susi schaute also nach den Kindern und ich begann zu wirbeln. Immer wieder fiel mir dabei auf, dass ich mich unten herum anders fühlte… offener irgendwie. Weicher. Es war gegen 17 Uhr. Ich telefonierte mit deinem Papa der schon auf dem Weg in seinen wohlverdienten Urlaub war und es auch nicht glauben konnte, dass unser Plan tatsächlich aufzugehen schien. Deine Oma hatte sich auch angekündigt und ich konnte es kaum erwarten alle um mich herum zu haben, in der Erwartung es könnte jeden Moment ernst werden. Ach wie gut, dass dann doch nicht alles so läuft, wie ich mir das vorstelle! Und wie gut, dass ich das zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste.
Immer wieder stoppte Susi mich und fragte mich wie es mir geht. Ich muss wohl den Anblick einer wilden Putzfurie gemacht haben. Als sie mich wieder fragte fiel mir auf, dass ich tatsächlich ein Ziehen im unteren Rücken hatte. Etwas das ich von den Vorwehen und dem harten Bauch der vergangenen Tage und Wochen nicht kannte. Das steigerte meine Zuversicht und Vorfreude und natürlich die Aufregung. Als David kam verabschiedeten sich Susi und die Kindern mit den besten Wünschen für uns. Und schon bald kam auch deine Oma. Mit Sack und Pack. Und Lily und Theo waren furchtbar begeistert dass die Oma zum übernachten bleibt. Ich berichtete ihr von den guten Vorzeichen und wir alle waren aufgeregt, aber ich glaube auch alle hatten wir Zweifel, dass das nun wirklich so funktionieren würde. Ich ging in die Badewanne und aß die Ananas mit viel Zimt. Ich dachte schaden kann es ja nicht, kenne ich doch einige Mamas bei denen die Superfrucht rein gar nichts bewirkt hatte. Wie brachten Lily und Theo ins Bett wie jeden Abend. Es sollte sie ja nichts beunruhigen und danach gingen dein Papa und ich eine kleine Runde spazieren. Es schien ein unglaublich großer, käseweißer Vollmond vom Himmel. Wahnsinn. Wahnsinn dachte ich. Es geht wirklich los heute. Zuhause saßen wir noch mit deiner Oma zusammen auf der Couch und unterhielten uns. Immer wieder dieses Ziehen, immer wieder ein harter Bauch. Manchmal schmerzhaft, manchmal kaum. Hin und wieder mit Regelmäßigkeit dann wieder mit großen Pausen. Ich war verwirrt. Gegen halb elf entschied ich mich ins Bett zu gehen. Besser etwas Energie sammeln für das was da kommt. Doch die Wehen waren teilweise so stark, dass an schlafen nicht zu denken war. Ich stand also wieder auf, ging zu deinem Papa und berichtete. Er fragte ob wir gleich ins KH fahren sollen. Aber ich verneinte. Dafür waren die Wehen noch nicht kräftig genug. Trotzdem ließen mich die Geschichten anderer Geburten und der Gedanke an den rasanten letzten Teil von Theos Geburt nicht los … was wenn ich den richtigen Moment verpasse? Und plötzlich alles viel zu schnell geht. Ich legte mich auf die Gästematratze zu deinem Papa, der friedlich schlief und fiel immer wieder für ein paar Minuten in einen nicht gerade erholsamen Schlaf. Wachte dann wieder von einer kräftigen wehe auf, sah auf die Uhr. Meist wiederholte sich die Intensität der Wehe dann für einige Male bevor sie plötzlich schwächer wurden. Das alles beunruhigte mich. Weil ich dieses schnelle hin und her nicht richtig einordnen konnte.
Gegen halb sechs war es vorbei mit der Warterei. Gerade waren wieder einige starke Wehen gekommen und gegangen und ich weckte deinen Papa. Ich sagte ihm ich wolle ins kh fahren. Ich glaubte dort eher abschalten zu können. Kopf aus – Gebärmutter auf Kurs. Also bereiteten wir uns vor. Ich wollte gehen bevor Lily und Theo wach werden würden, um keine Tränen beim Abschied zu haben. Deine Oma war auch wach und wollte bei uns zu Hause die Stellung halten. Kurz bevor wir ins Auto stiegen wachten Lily u Theo doch auf. Sie winkten noch kurz zum Abschied aber alles war gut. Schließlich war Oma bei Ihnen.
Im Auto dann die Ernüchterung… die Wehenpause war enorm lang. Ich haderte wieder mit mir. Was wenn es doch nur ein Fehlalarm ist? Vielleicht dauerte es doch noch einen ganzen Tag oder etwas mehr bis es wirklich losgehen würde. Egal, wir fahren jetzt und lassen nachsehen, war die Devise von deinem Papa. Gut. Sollte mir recht sein. Ich hatte nur ein wenig Angst vor der Schmach falls es doch noch gar nicht so weit sein sollte. Ich dachte die ganze Zeit über gleich hüpft jemand aus der Ecke und sagt: ‚ätschebätsch dein toller Plan geht doch nicht auf!‘
Im Kreißsaal nahm uns eine Sylvia mit dickem Ossi- Dialekt auf. Sie war sehr nett und verstand, dass ich wenn die anderen zwei Kinder schon mal unter Dach und Fach sind, gekommen bin, um zu sehen wo wir stehen. Denn auch sie bekräftigte mich darin, dass man bei einer dritten Geburt nie wissen kann wie schnell es ernst wird. Sie untersuchte mich also und tatsächlich die Ernüchterung war riesig: Gebärmutterhals noch bei 2cm und Muttermund gerade mal fingerdurchlässig. Ich fühlte mich mies. Hatte ich alle umsonst verrückt gemacht? Hatte ich meinen Masterplan so verinnerlicht und mich damit nur selbst betrogen?! Immerhin laufen manche Schwangere mit so einem Befund noch Tage oder länger herum. Die Hebamme schloss mich ans ctg an und meinte wir überlegen danach was wir tun. Eine halbe Stunde wurde aufgezeichnet. Danach ein erster kleiner Triumph. Sylvia studierte die Wehentätigkeit und gab bekannt: „Das sind schon ordentliche Wehen, damit lass ich sie nicht wieder Heim. Beim dritten Kind kann das jetzt schnell gehen.“ Juhuuu keine Einbildung. Es ist tatsächlich so, heute lernen wir dich, unseren Sohn, kennen! Sie verordnete mir Globulis und schickte uns frühstücken und viel laufen. Das taten wir. Mission war Gebärmutterhals verkürzen und Muttermund öffnen. Nach Käsebrot und Runden um das KH inklusive vielen Treppen sollten wir gegen halb elf wieder zur Kontrolle da sein.
IMG_2163
Weiterhin gute Wehen aber der Befund haute mich leider nicht um… Gebärmutterhals minimal kürzer und Muttermund unverändert. Sylvia versuchte mir Mut zu machen. Es tat sich immerhin was, meinte sie, wir sind auf dem richtigen Weg. Also wieder laufen. Wir erkundeten die Umgebung des Blaubeurer Krankenhauses, schauten nach schönen Gärten und Häusern und sammelten Ideen für unser Zuhause. Schon da hatte ich das Gefühl die Wehen werden schwächer. Wir gingen zum Mittagessen in die Cafeteria des KHs aber mein Appetit war mir vergangen. Ein paar Bissen gingen, den Rest gab ich deinem Papa zur Stärkung. Gegen halb eins hatten wir wieder ein Date mit Sylvia. Diesmal war es andersherum der Befund war etwas motivierender… Muttermund 1-2cm und Gebärmutterhals war verstrichen. Aber das ctg gefiel Sylvia nicht. Mir auch nicht. Die Wehenabstände wurden länger. Sie fragte mich was wir tun sollen. Eine Vaginaltablette legen um die Wehen in Gang zu bringen. Oder warten… eventuell auch länger. Wir entschieden uns für die Tablette. Gegen halb zwei legte sie mir diese und dann musste ich eine Stunde liegen bleiben.
Danach war die Spätschicht da. Eine junge Hebamme namens Lea stellte sich vor und brachte mich und deinen Papa aufs Zimmer. Wir sollten mal raus aus dem Kreissaal. Also gut. Im Zimmer wurde wieder ctg geschrieben aber nicht untersucht. Ich hatte das Gefühl da tut sich was. Oder zumindest die Hoffnung und war neugierig. Ich hatte auch das Gefühl Fruchtwasser zu verlieren. Ein Test wurde gemacht und ich hatte Recht, es war Fruchtwasser. Das fühlte sich gut an. Wieder Motivation. Lea fragte mich ob ich mal in die Wanne wolle. Ich erzählte ihr von meiner Wunschwassergeburt und bejahte. Sie schaute auf das ctg und sah sehr deutliche Wehen in kurzen Abständen. Da war die Intensität auch schon ordentlich und ich tönte und atmete mit.
„Na dann lassen wir doch das Wasser schon mal ein“ meinte sie zu ihrer Auszubildenden und motivierte mich damit ungemein. Gegen kurz nach vier war ich in der Badewanne. Das Wasser tat unheimlich gut. Durch ein Panoramafenstern sah ich auf die Dächer Blaubeurens, die im sanften Sonnenschein lagen. Ich sagte laut: „Ach Till komm da raus. Heute ist so ein schöner Tag.“ Die Wehen waren nun schon sehr kräftig. Ich musste laut stöhnen und schreien wenn sie kamen, um sie zu verarbeiten. Die Abstände waren kurz und knackig zwischen 1-1,5 Minuten. Kontinuierlich. Ich genoss die Pausen. Freute mich aber auch über jede Wehe, die mich näher ans Ziel brachte und die endlich auch etwas bewirkten, das spürte ich. Lea war nicht viel anwesend da zeitgleich eine Geburt nebenan in vollem Gange war. Sie kam immer wieder herein, fragte mich wie es mir ginge, ob es stärker wurde und beobachtete mich beim veratmen der wehen.
IMG_2161
Sie bestärkte mich wie auch dein Papa immer wieder: „Du machst das toll.“ Und ließ mich dann weitermachen. Ich fühlte mich zwar unheimlich müde und erschöpft aber gleichzeitig auch so selbstbestimmt und stark. Aus der Wanne heraus wollte ich nicht mehr. Ich wollte im Wasser entbinden, da war ich mir sicher. Ich war mir nur nicht sicher wie lang das noch dauern würde. In den kurzen Wehenpausen hatte ich zuvor noch mit deinem Papa Witze gemacht. Doch plötzlich wurde die Qualität der Wehen nochmal heftiger. Ich hatte mit mir zu tun und war sehr laut in den Wehen. Krallte mich an den Griffen der Badewanne und der Faust deines Papas fest. Trotzdem schickte ich ihn noch kurz zum Abendessen. Allein in der Wanne überkam mich die Angst vor den Presswehen. Diese Urgewalt, die mich schon bei Theos Geburt so überrollt hatte. Ich hatte Angst. Gottseidank kam dein Papa schon nach 5 Minuten wieder zurück. Er merkte wohl auch, dass ich ihn brauchte. Auch wenn er mir in der Wanne rein physisch nicht viel helfen konnte. Die Wehen waren so heftig und in so kurzen Abständen, dass ich mir einfach nur eine Pause wünschte. Einmal kurz auf ‚Anhalten‘ und dann weitermachen. Ich fühlte mich so unheimlich müde und erschöpft. Immer wieder sagte ich das auch. Auch wenn ich wusste dass es kein zurück gibt. Durch das laute stöhnen und schreien hatte ich einen trockenen Hals u der Husten, der mich seit Tagen plagte war furchtbar unangenehm während der heftigen Wehen. Als Lea mich um halb sechs untersuchte sagte sie, dass du immer noch nicht hinunter gerutscht wärst. Und noch wild mit dem Kopf suchen würdest. Wie dein Bruder damals. Und so konntest du auch nicht wirklich wirksam auf den Muttermund drücken und ihn öffnen. So starke Wehen seit Stunden und dann war die Bilanz 4-5cm…!  Ich war etwas verzweifelt. Sie sagte ich solle noch ein wenig weiterarbeiten. Sie spüre noch eine ganz pralle Fruchtblase. Da war wohl nur eine Schicht der Blase vorher gerissen. Wenn die platzen würde, was sie bei den nächsten Wehen sicher täte, würde es schnell gehen. Ok das klang zuversichtlich. Ich wartete also bei jeder Wehe, die ich verschrie auf das Platzen der Blase, aber es passierte nichts. Aber die Wehen hatten nochmal an Gewalt zugenommen. Gegen 19 Uhr sagte lea sie würde sie in der nächsten wehenpause manuell öffnen. Ich war erleichtert. Sie sagte auch, der Muttermund wäre nun vollständig. Das war nun wirklich schnell gegangen… 11h für die ersten 5 cm und eine Dreiviertel Stunde für die letzten 5! Dann meinte sie, als ob sie es wüsste: „Keine Angst vor den Presswehen!“ Ich sah sie an- sie vielleicht Mitte Ende zwanzig noch keine eigenen Kinder, mitfühlende Augen- und meinte kurz während ich verschnaufte: „Doch hab ich!“ Sie tätschelte mir den Arm und lächelte- ehrlich!
Sie öffnete die Fruchtblase bzw gab einfach ein wenig Gegendruck von innen, denn das genügte schon, die unter der Wehe bis zum Letzten gespannte Blase zum platzen zu bringen. Das Gefühl war irre. Mit einem mal wich so viel Druck, der dann im nächsten Moment wieder ins unendliche Anstieg und mir die Panik in den Leib presste, mir die Luft nahm. Wie sollte ich veratmen? Mir fehlte Luft, ich rang danach, wusste nicht wohin mit dem alles umfassenden Schmerz. Irgendwoher kam dann ein Schrei. Vermutlich ein Urschrei, denn es war nicht dein Papa dessen Hand ich quetschte oder die Hebamme, die mich motivierend ansah. Ich schrie aber wusste sogleich nicht genau woher das kam. Es klang fern.
An der Wand mir gegenüber stand ein Spruch von Marie von Ebner-Eschenbach: „Der einzige Glaube der Berge versetzen kann, ist der Glaube an die eigene Kraft!“ Einen treffenderen Spruch für einen Kreissaal kann es wohl nicht geben. Ich und dein Papa hatten ihn immer wieder gelesen die letzten Stunden. Jetzt hatte ich ihn fest im Blick. Die Macht dieser ersten Presswehe war vorbei. Ich wusste gleich kommt die nächste. Es gab kein zurück. Es gab nur noch das Ziel. Dich in diese Welt zu schreien und dann festzuhalten und nie wieder loszulassen. Die Wehe kam, gewaltig und meine Hebamme rief ich dürfe mitpressen, wenn ich das Gefühl danach hätte. Oh ja das hatte ich. Ich drückte, schob, presste, schrie und kreischte. Ich spürte die Gewalt mich auseinanderzerren. Die Pause war die schlimmste. Der Schmerz war noch nicht verebbt da fragte Lea mich ob ich den Kopf mal fühlen will. Ich sagte nein. Laut deinem Papa sehr deutlich und bestimmt, fast aggressiv. Ich war noch zu sehr mit dem Schmerz beschäftigt. Deine 37cm kopfumfang machten mir zu schaffen. Aber als die nächste Wehe kam gab ich alles und am Ende dieser Wehe war dein Kopf geboren. Lea fragte mich wieder und darüber bin ich sehr dankbar, ob ich jetzt mal fühlen will. Ich wollte nicht nur fühlen sondern auch sehen was ich da geleistet hatte. Ich streichelte deinen Kopf. Es war surreal. Es war echt. Und schön. Ich wusste ein ganz großer Schritt war getan. Eine Presswehe noch und ich würde dich endlich halten dürfen. „Willst du den Rest selbst machen?“ Fragte Lea. Ja das wollte ich. So sehr. Als die nächste Wehe kam erfolgte dieses erlösende Gefühl, Lea half etwas unter Wasser mit der Nabelschnur und dann hob ich dich aus dem Wasser zu mir auf die Brust. Dieses Gefühl, das mich überfiel war unbeschreiblich. Das Beste. Ich sah deinen Papa der weinte weil auch von ihm eine furchtbare Anspannung und Angst abfiel. Auf einmal war alles an Schmerz vergessen. Ich zitterte noch und bebte. Aber du warst da.
Dein Papa durfte die Nabelschnur durchschneiden und die Hebamme entdeckte einen Nabelschnurknoten, was wohl bedeutet dass du dich in der frühen Schwangerschaft mal durch die Schnur durchgeturnt hast- Du Wilder! Dann kam die Nachgeburt. Kurz zuvor war die Ärztin herein gekommen. Eigentlich zur Geburt, aber du warst ja schon da. Dass es dann plötzlich so schnell ging, hatte niemand gedacht. Dein Papa bekam dich auf die nackte Brust und ich musste aus der Wanne und genäht werden. Schon bei Papa warst du wild am suchen und als du endlich bei mir warst im Bett, hast du gleich angedockt und gesaugt, als hättest du nie was anderes gemacht. Davor wurdest du natürlich gewogen und gemessen: 3760gr und 52cm. Sehr große Hände und Füße bemerkte die Hebamme noch. Tja da waren alle Schätzungen wohl falsch. In der Schwangerschaft hieß es immer ich solle mit einem 4kg Kind rechnen. Die Hebamme in der Frühschicht meinte: niemals ich hätte keinen 4kg Babybauch. Und Papa schätzte 3630gr, ich hielt im Spaß mit 3670gr dagegen. Aber genau so wie du warst, bist und sein wirst bist du goldrichtig mein Tiger. Wir freuen uns auf all das was da kommt mit dir! In liebe deine Mama
Advertisements

Aus alt mach neu

Wer mir schon länger auf Instagram folgt, der weiß, dass wir letztes Jahr im Herbst in unser Eigenheim gezogen sind.

Es war ein spontaner, dennoch wohlüberlegter Kauf eines Objekts, das in den 90er Jahren erbaut wurde. Groß, riesiger Garten und das meiste konnte mit wenig Aufwand so verändert werden, dass es uns gefiel. Denn das war wichtig. Zu Kaufpreis, Makler und Notar durften nicht auch noch Unsummen an Renovierungskosten dazukommen. Das war uns und vorallem unserer Bank von Anfang an klar.

Die Zeit im Sommer 2016 vor dem großen Umzug war knapp bemessen. Ein neuer Boden im oberen Schlaf- und Spielbereich wollte verlegt, alles komplett gestrichen, die altmodische Küche und das Bad mit simplen Do-it-yourself Mitteln aufgepimpt werden. Und dann war da ja noch der Flur.

Der kleine Flur ‚erstrahlte‘ mit Fließen in beige samt herrlich kackbraunen Sprenkeln. So ganz später 80er Jahre Charme. Mir als Wohnperfektionistin ein absoluter Dorn im Auge. Ich überlegte damals hin und her- was kann ich tun, um diesen Anblick nicht länger ertragen zu müssen, aber gleichermaßen auch nicht Unmengen an Geld ausgeben zu müssen und vorallem nicht einen riesen Aufwand zu haben.

Ich entschied mich für Fliesenfarbe, die es tatsächlich auch in ‚extra robust‘ für Bodenfließen gab. Das versprochene Anthrazitgrau stellte sich dann auf dem Boden eher als ein freundliches Schwarz heraus, das sich in seiner Pflege mehr als anspruchsvoll erwies. Ich konnte nahezu täglich wischen, weil man einfach alles, wirklich alles darauf sah. Hinzu kam, dass das Prädikat ‚extra robust‘ wohl für uns neu hätte getestet werden müssen. Überall waren schon nach kurzer Zeit Macken und Abschürfungen zu sehen. Was leider fast zu erwarten war bei solch einer Pfuschlösung.

Ich war also seit unserem Umzug echt unzufrieden und hielt Ausschau nach kostengünstigen Alternativen, die auch nicht all zu schwer selbst zu verlegen sind. Da kam RENOfloor ins Spiel.

RENOfloor bietet Steinteppiche für Innen und Außen, auch zum selbstverlegen. Viele Punkte, die RENOfloor verbindet, haben mich sofort überzeugt:

Verlegt wird mit schwimmendem Sytem und schon recht großen, fertigen Elementen- klingt simpel, klingt schnell. Fand ich perfekt.

Die Höhe der einzelnen Elemente ist so gering, dass man den bestehenden Untergund nicht entfernen muss. Man verlegt also auf den bestehenden Boden (Fliesen mussten also nicht erst mühevoll herausgekloppt werden) und hat somit keine Vorarbeit zu leisten.

Durch das schwimmende Sytem der einzelnen Platten, kann man einzelne Module immer wieder austauschen, neu anordnen, je nach Notwendigkeit und Laune.

Es ist preiswert, individuell, für Heimwerker geeignet und absolut langlebig und robust (diesmal, so überzeugte ich mich selber, wirklich robust!).

Genau das richtige für Eingangsbereiche, Büros, Küchen, Bäder, Wellnessbereiche und vorallem für Terrassen und Balkone, die einen neuen Pepp brauchen. Sogar Treppen lassen sich damit hochwertig renovieren.

Ich war also schlichtweg davon überzeugt, dass das genau das ist, was wir für unseren Flur brauchen. Der Hubbs war auch schnell überzeugt, denn er brauchte ja mal wieder einen guten Grund all die Werkzeuge in seiner Garage herauszuholen und zu benutzen. Ganz der Heimwerkerkönig eben.

Für die Verlegung ist nicht viel nötig. Ihr braucht die einzelnen Module in eurer Wunschfarbe (Farbkatalog auf www.renofloor.de), speziellen elastischen Kleber (wir hatten den von RENOfloor, einen Schwingschleifer (Flex), Zollstock und Leisten für Übergänge zu Treppen oder Absätze.

Ich liebe es ja, wenn man wirklich einfach so drauf loslegen kann. Beim streichen verzichte ich daher auch gern mal auf das akribische Abdecken und Abkleben, weil ich es einfach nicht abwarten kann. Als dann unsere RENOfloor Lieferung kam, konnte es nicht früh genug Wochenende werden.

Wie ein Puzzle fügten sich die einzelnen Teile schnell zu einem schönen Gesamtergebnis zusammen. Obwohl unser Flur mit seinen kleinen Winkeln und Ecken eigentlich echt eine Herausforderung war und wir die Flex öfter brauchten, als bei einem normal geschnittenen Raum. Trotzdem kamen wir schnell zu unserem wie ich finde wunderschönen Ergebnis.

Ihr seht in unserem Flur die Farbe ‚Himalaya‘, die mit ihren Naturtönen super zu uns passt. Und wenn die Sonne in den Flur scheint funkeln die Steinchen wie fein gemahlene Muschelstücke am Strand.

Easy zu reinigen und zu pflegen ist der Boden auch. Erstens sieht man den Dreck nicht. Was mir zu einer längeren Staubsaugpause verhalf. Zweitens fällt das nass wischen gänzlich weg. Gibt es gröbere Verschmutzungen, die sich nicht mittels feuchtem Tuch oder Bürste entfernen lassen, gibt es die Möglichkeit die Platte herauszunehmen und sie dann in der Dusche oder mit dem Hochdruckreiniger zu säubern. Ich habe bisher aber alles mit Sauger und eventuell einer feuchten Bürste wegbekommen.

RENOfloor gibt auch ein angenehmes Laufgefühl, gerade bei uns Frischfußfanatikern. Wir sind jedenfalls überzeugt und werden auch unser Bad, sobald die Zeit gekommen ist, damit renovieren.

Falls ihr nach genau so einer Lösung für eure Terrassen, Balkone, Nassräume oder auch den Wohnbereich sucht gibt es von mir noch einen Vorteilscode oben drauf.

Die Vorteilsnummer lautet: V0062

Viel Spaß beim werkeln,

IMG_7944

eure Sandi

Mein Körper-dein Körper

Kater und Kind im Arm… egal ob mir gerade danach ist oder nicht.

IMG_7872

Es stimmt schon was gesagt wird: Sobald du Mutter wirst lässt du zu, dass ein Teil deines Herzens ausserhalb deines Körpers weiterschlägt.

Genau so. Es schlägt dort weiter, überschlägt sich, schlägt für andere Menschen schneller und höher und macht so völlig das was es will. Man hat kaum bis keinen Einfluss mehr darauf. Und irgendwie scheint dieser Teil des Herzens auch immer wieder zu seinem Ursprungsort zurückzuwollen- gottseidank. Defintiv sind diese Momente im frühen Kindesalter sehr häufig. So häufig dass man als Mama oft gar nicht weiß wo das eigene und wo das andere Herz aufhört und anfängt. Alles verschwimmt. Man selbst fühlt sich verschwommen.

Damit mich hier niemand falsch versteht. Ich liebe Nähe zu meinen Kindern. Ich geniesse sie. Ich weiß diese Innigkeit ist schneller vorbei als mir lieb ist und im Nu ist es peinlich und die Augen werden gerollt, wenn die Mama einen nochmal doll drücken möchte, bevor sie die Kinder auf den Schulhof entlässt.

Ja wenn ich sie nicht habe, diese Nähe, diese Körperlichkeit zu meinen Kindern vermisse ich sie ganz schnell. Ich brauche es wie Blumen das Wasser, doch an manchen Tagen kann ich mit der Flut die da bisweilen auf mich einstürzt einfach nicht mehr umgehen.

Ich habe mal bei einer anderen Mama das Wort ‚Körperkontaktaggression‘ aufgeschnappt und ohne vorher ihre Erklärung dazu zu lesen, wusste ich genau welche Emotion sie damit beschrieb.

Ich will euch mal von meinem Freitag letzte Woche erzählen.

Ich wachte auf, ein rotzelndes und sich windendes Kind im halb tauben Arm. Das andere Kind neben mir grunzte halblebig, machte die Augen auf und sagte: „KUSCHELN“ Also Kuschelten wir, ehe wir aufstanden. Ich bereitete das Frühstück vor, machte mich nebenher fertig. Am Frühstückstisch lief die zur Zeit all zu beliebte Version von „Ich will auf deinen Schoß!“. Dem Frieden und dem Zeitdruck geschuldet nachgegeben und beim Joghurt löffeln geholfen- so gibt es schon weniger Sauerei. Immer wieder drückte Theo beim Essen unangenehm auf den Babybauch. Ich schnaufte. Los gehts zum Kindi. Wieder dem Zeitdruck geschuldet mit dem Auto. An der Klingel vom Kindi kurzes Drama, da Theo nicht klingeln konnte wie üblich, da die Tür für irgendwelche Arbeiter schon offen stand. Theo getröstet und auf den Arm genommen. Dabei riss er ungut an meinen Haaren. Nicht aus Absicht aber immerhin, einige Haare steckten in seiner kleinen, wütend geballten Faust. Die Große verabschiedet, umarmt, geküsst. Wieder ins Auto. Zum Arzttermin. Wieder dem Zeitdruck geschuldet Theo bis zur Arztpraxis halb getragen, halb hinterhergezogen. Dort der Oma übergeben. Ich selbst durfte kurz auf den OP Tisch, 2 kleine Spritzen, 2 Muttermale weniger. Keine große Sache. Auf dem Rückweg Stopp in einem Café, Theo schüttet sich seinen Kaba über die Hose, ist daraufhin mehr als mies gelaunt, will Schoß und MAMA! Daheim 30 Minuten Mittagspause im Auto- es ist warm. Fenster auf. Theo schläft. Mein Bauch drückt gegen das Lenkrad. Mir wäre nach liegen. Dann holen wir Lily vom Turnen ab. Lily ist überdreht, hüpft durch die Umkleide, will sich nicht anziehen. Also einfangen und anziehen helfen, die Erzieherinnen machen das gleiche, jede mal 10!  Daheim erstmal kochen, übliches Mittagessensgedöns. Lily ist immer noch überdreht, Theo will wieder nicht allein und lieber auf dem Schoß essen. Ich esse mein Essen mit der einen und füttere Theo mit der anderen Hand. Dann gehts zum Mittagschlaf. Theo bekommt die rechte, Lily die linke Hand. Auf der rechten Seite wird es immer leiser, die Hand schwerer. Die Hand links kitzelt mich, piekst mich in die Seite. Als Theo schläft verlassen Lily und ich den Raum. Lily hat schon Pläne. Wir spielen Arzt. Mama legt sich auf s Sofa, Lily verarztet mich. Ganzkörperuntersuchung mit inbegriffen. Das mit dem aufs Sofa legen klingt gut, der Rest gleicht eher einer Musterung bei der Bundeswehr und ist wohl auch ähnlich unangenehm. Lily wird müde- das Mittagsloch. Will kuscheln und ein Buch lesen. Also liegen wir nun beide da. Ganz eng. Lesen ein Buch. Immer wieder kommt sie mit ihren trotzdem noch wild umher fliegenden Körperteilen an meine langsam aus der Narkose aufwachenden operierten Stellen an den Beinen. Aua. Um zwei ist Theo wach. Wir kuscheln noch im Bett dann stehen wir auf. Theo will Pferdchen spielen. Wer das Pferd ist, brauch ich wohl nicht erwähnen. Gegen später müssen wir einkaufen. Immer wieder bleibe ich mit dem Babybauch am Einkaufswagen hängen. Lily will die Hand. Theo auf den Arm. Er kommt aber in den Wagen. Findet er semi-cool. Oder eher komplett doof. Immerwieder zerrt er an mir. Immer vehementer. Daheim erstmal die Einkäufe verstauen, diesmal haue ich mir selber die schwere Einkaufstüte genau auf die frische Wunde. Mittlerweile ist die Narkose ganz versurrt und es brennt ohnehin dauernd.

Die Kinder spielen Kindergarten. Ich bin die Erzieherin. Lily erteilt mir genaue Anweisungen. Eigentlich wartet die Spülmaschine. Ich erkläre also, dass ich eine Erzieherin bin, die gerade die Spülmaschine ausräumt. Wird akzeptiert. Also ist Theo der ‚Luca‘ und der Luca wird immer vom Jonas geschubst. Theo will nicht geschubst werden. Geheule. „Mamaaaaa“… . Arm und Trösten. Lily ist sauer. Sie will einen anständig mitspielenden Luca. Wütend stampft sie auf den Boden, trifft dabei meinen Fuß mit der Wunde. Mir wird kurz anders.

Es wird langsam Abend. Es gibt Abendessen-auf dem Schoß. Eine Runde Badewanne und anschließendes Abtrockenritual mit viel Gekuschle und Geschaukle im Arm. Zähneputzen geht nur auf dem Schoß. Die Große springt währenddessen immer wieder wie ein Gummiball auf meinen Rücken. Sie lacht. Ich schimpfe. Ich schnaufe.

19.00 Uhr. Wir liegen im Bett. Lesen ein Buch. Dabei wird gekuschelt, der Babybauch geküsst. Anschließend teile ich meine Hände widerwillig auf, ich mag nicht mehr, beiße die Zähne zusammen. Ich bin müde. Bin es müde. Rechts die kleine, schwitzige, nach dem Schnuller suchende Hand. Rechts die größere, müdere, die schnell schwerer wird und neben mir auf die Matratze plumpst. Ich fühle mich erleichtert.

Ich gehe nach unten. Räume das Nötigste auf. Koche für den Hubbs und mich.

Ich plumpse auf s Sofa. Weiß nicht wo ich anfange und wo die Couch aufhört. Der Kater kommt, legt sich in meinen Schoß und will Streicheleinheiten. Ihm kann ich sie noch eher verwehren, schiebe ihn zur Seite. Er maunzt etwas angefressen und guckt vorwurfsvoll. Also legt er sich auf meine Füße… die OP Wunden brennen und der Kater kommt dem Verband mit seinen Krallen verdächtig nahe.

Um 20.00 Uhr kommt der Hubbs heim. Sein Tag war anstrengend. Auf dem Heimweg ein kleiner Unfall mit Blechschaden. Er braucht aufbauende Worte, eine Umarmung.

Mir ist nach Gummizelle. Nach Einzelhaft. Danach mich, mich allein zu spüren. Meinen Körper für mich zu haben und ihn mit niemand teilen zu müssen.

Immer wieder ist das Faß einfach voll. Es ist voll mit Liebe. Voll mit Emotion. Ich fühle mich wund, wund vom Tag. Ich sehne mich nach einer Grenze. Einem Grenzzaun, einer Mauer zwischen mir und der Umwelt. Ich brauche klare Umrisse. Manchmal habe ich das Gefühl, die sind verschwommen seit ich Mama bin. Da gibt es kein eindeutiges ICH mehr. Keine Ich-Bedürfnisse, keine Ich-Momente, kein Ich. An einem solchen Tag spüre ich eine Wut in mir hochkommen bei jeder Berührung, die zu viel ist, bei jedem Stupser, jedem völlig unbedachten Rempler. Da könnte ich aus der Haut fahren. Und tue es meist nicht. Die Emotionen kommen und doch nehme ich in den Arm, tröste ich, ertrage das Gezerre und Gewurschtel neben und auf mir. Das muss ich, bis zu einem gewissen Grad, das sehe ich zumindest so, dafür bin ich auch da. Aber meist muss es dann an anderer Stelle raus, diese Wut nicht Herr über den eigenen Körper zu sein. Da ist erstmal Ebbe im Herz. Und andere gehen leer aus.

Gut dass es meist nur eine kurze Zeit braucht diesen Akku wieder auf Betriebsniveau zu bekommen.  Und dennoch bleibt es eine konstante Sache, die mich immer wieder an einen Punkt kommen lässt, an dem es mir zu viel wird. Gerade jetzt in der Schwangerschaft, wo ich ohnehin meinen Körper nicht für mich habe.

Wieso ich das hier schreibe? Wenn ich doch kein Rezept dafür habe wie dieses Gefühl gar nicht erst entsteht, oder wie man frühzeitig Grenzen absteckt für sich. Weil ich weiß, dass ich da nicht allein bin. Weil ich weiß, dass wir Mamas mit so vielen Emotionen kämpfen, mit denen wir uns allein herumärgern und im Stillen leiden, weil wir denken, dass wir so etwas nicht denken und schon gar nicht aussprechen dürfen. Darum. Weil es nichts an unserer unendlichen Liebe und Aufopferungsbereitschaft ändert so etwas fühlen.

Und jetzt gehe ich zu meinen Kindern ins Bett, auf dass die Grenzen wieder verschwimmen.

Eure Sandi Beach

‚Habt ihr auch andere Hobbys?‘-die Freude auf s dritte Kind

Wie wird das sein? Werde ich immer eine Hand zu wenig haben?  Wird immer ein Arm fehlen, der trösten oder hochnehmen kann? Zwei Kinder sind der Durchschnitt, drei Kinder eine Herausforderung.

IMG_7033

Da waren sie also die zwei ersehnten Striche. Schneller als ich glaubte. Eher als gedacht. Nun gut, dann eben doch ein Septemberbaby. Wieder hochschwanger durch den Sommer watscheln. Wie schön.

Ich freute mich. Ich grinste in mich hinein. Aber es war anders als bei den vorherigen Schwangerschaften. Denn ein wenig fühlte ich mich wie eine Minderjährige, die soeben herausgefunden hatte, dass sie schwanger war. Sicherlich ein etwas kruder Vergleich, aber ja es fühlte sich zwar gut an und richtig aber wo kam plötzlich die Unsicherheit her? Gedanken wie, wie bringen wir das unseren Freunden bei? Unseren Familien? Alle in unserem Umkreis haben bei spätestens zwei Kindern einen Schlusstrich gezogen. Jeder wusste, dass Lily und Theo fern ab von ‚einfach‘ waren, haben mich das ein oder andere Mal auch jammern hören und an meinen körperlichen und geistigen Grenzen erlebt. Jetzt kam ich mir ein wenig so vor, als würden sie mir doch alle den Vogel zeigen, wenn ich ihnen von unserem erneuten Nachwuchs berichten würde. Natürlich, was juckt es mich? Warum sollte ich was auf solche Reaktionen geben? Aber es ist doch so, Freude will geteilt werden, um sie zu multiplizieren. Das wollte ich auch. Ich wollte niemand zweifeln hören.

Tatsächlich ließ ich mir für meine Verhältnisse recht viel Zeit, bis ich den engsten Vertauten davon berichtete. Der innere Kreis, meine Familie, war überrascht aber ehrlich gerührt und voller Freude. Danach folgten Freunde und Bekannte und ja, dort ernteten wir zu großen Teilen genau die Reaktionen, die ich erwartet hatte.

Wahnsinn wie sich das von Kind zu Kind ändert. Beim ersten Kind kann man sich vor Begeisterungsstürmen ja kaum retten. Selbst Menschen, die man vorher kaum gekannt oder gesehen hatte, kamen plötzlich an und wünschten einem das Beste. Beim zweiten Kind war die Begeisterung schon etwas abgeflacht, aber dennoch vorhanden. Beim dritten Kind, hätte man auch gerade herausposaunen können, dass man trotz Diät eine Currywurst mit Pommes zum Mittag hatte. Die Reaktion wären ungefähr die gleichen gewesen. Kopfnicken und eine hochgezogene Augenbraue, vielleicht noch ein: ’na Glückwunsch!‘  Meist kamen danach noch ein paar schlaue Sprüche. In mindestens 70% aller Gespräche fiel der Satz: „Na das werden dann bestimmt Zwillinge!“ oder „Dann braucht ihr ja ein größeres Auto!“ oder „Ich würde nie mehr Kinder wollen als ich Hände habe!“

Aber es steckt ja in all den noch so nüchternen Aussagen auch ein Fünkchen Wahrheit. Es waren alles auch Zweifel, leise zwar und niemals laut und übertönend, die mich und den Hubbs zum Nachdenken gebracht hatten. Keines unserer Kinder war so geplant wie dieses dritte Wunschkind. Kind nr 1 lag damals einfach klar auf der Hand. Ich war fertig mit der Ausbildung, hatte eine feste Anstellung, wir wohnten in einer schnuckeligen Wohnung und ich wollte nicht all zu spät mit dem Kinderkriegen anfangen. Da waren nie Zweifel am Timing oder gar an der Tatsache selbst gewesen. Kind nr 2 war auch eine ganz selbstverständliche Sache. Einen zu großen Altersunterschied wollten wir beide nicht, ebenso konnten wir uns kein Einzelkind vorstellen. Auch hier keine Zweifel oder Bedenken. Es war einfach logisch. Bei Kind nr 3 war das nun ganz anders. Ich hatte definitiv schon relativ kurz nach Theos Geburt wieder einen Kinderwunsch. Auch für den Hubbs stand immer fest, dass er 3 Kinder haben möchte. Ich fand drei für uns auch die perfekte Anzahl. Dadurch dass Theo so lang sehr sensibel und anspruchsvoll war, war die Realisierung des dritten Kindes irgendwann in weite Ferne gerückt. Auch die Wohnsituation bremste uns. Wir wollten erst ein Heim für uns gefunden haben. Danach, dachte ich, wäre ich dann bereit. Das zog sich.

Im Spätsommer 2016 dann fanden wir in unser Eigenheim. Groß genug für 3 Kinder. Und trotdzem schlichen wir um das Thema herum. Ich wollte dass alles passt, wollte alles haarklein planen, z bsp Theos Kindergartenstart nicht in die Quere kommen. Ich zögerte. Ich fand immer andere Termine, an denen ich nicht schwanger sein konnte oder wollte. Doch nicht mit zwei kleinen Kindern im Schlepptau. Ich merkte wie mich die Zweifel überrollten. Eben jene, die allgegenwärtig waren. Drei Kinder im Alltag. Alles wird komplizierter, denn da sind ja nur zwei Hände, an zwei Armen an mir dran. Ich fragte mich, ob ich das schaffen kann. Bin ich echt Mutter genug für drei? Nie würde ich wollen, dass eines meiner Kinder zu kurz kommt. Den Gedanken konnte ich kaum ertragen. Aber dann besinnte ich mich auch wieder auf die Zeit um Theos Geburt, wo ich erleben durfte, dass die Liebe nicht geteilt werden muss. Das Herz wird größer, die Liebe stärker und für jeden ist immer genug da.

Erhaben über all den Zweifeln war er einfach da dieser starke Wunsch- das Gefühl noch nicht komplett zu sein. Es war ein Bauchgefühl. Und genau da gehört diese Entscheidung auch hin. In den Bauch.

Als Lily eines Tages Ende November ein Bild von uns malte und wie so oft nicht nur sich, Theo, den Hubbs und mich, sondern auch eine ‚imaginäre‘ fünfte Person in unsere Mitte pinselte, wusste ich einfach, dass all das Warten, das Zögern und das Zweifeln nichts an dem Wunsch nach Komplettierung unserer Familie ändern würde. Und dass es mich nur weiter unglücklich machen würde, diese Entscheidung immer weiter hinauszuschieben.

Jetzt hadere ich nicht einen Moment damit. Wir freuen uns alle sehr. Allen vorran die Kinder. Es ist so schön zu sehen und zu spüren, wie sie mitfiebern und sich jetzt schon Gedanken darüber machen über das Geschwisterchen und es schon in so vielen alltäglichen Ritualen ganz selbstverständlich miteinbeziehen. Ich weiß, dass sich alles fügen wird. Wir fünf- das klingt so wundervoll verrückt, viel, laut und chaotisch und einfach genau so wie ich es haben wollte.

Vielen haben mich gefragt, selbstverständlich denn ich gelte ja ein bisschen als ‚Frau Schreibaby‘, ob ich denn Angst hätte vor einem erneut sehr anspruchsvollem Kind. Ich kann die Frage noch nicht so ganz beantworten. Noch ist die Schwangerschaft zwar körperlich sichtbar aber dennoch nicht ganz so präsent in meinen Gedanken und meinem Kopf. Ich merke schon wie diese dritte Schwangerschaft nur so an mir vorbei rast. Darum nehme ich mir vor einige Dinge ganz bewusst ein letztes Mal schwanger zu geniessen, ich muss nur noch die Zeit dazu finden 🙂 .

Es ist schon so… wenn man mich in Lilys Schwangerschaft mitten in der Nacht geweckt und nach der Schwangerschaftswoche gefragt hätte, hätte ich wie aus der Pistole antworten können: 14 plus 3. Heute bin ich mir nicht so ganz sicher, ob ich überhaupt wissen würde, dass ich schwanger bin, so im Halbschlaf. Also lasst das mal alles noch ein wenig sinken, ein wenig ankommen im Kopf und Herz, dann bin ich mir zwar sicher, wird sich ein gewisses Selbstbewusstsein einstellen, wenn ich an die Zeit nach der Geburt denke, aber ohne Frage würde es mich auch beim dritten Mal überrollen, fordern bis an die Haarspitzen und sicherlich auch das ein oder andere mal traurig werden lassen, falls das Baby erneut ein hochsensibler Schreihals werden sollte. Ich bin aber nicht verängstigt. Ich packe das. Wir packen das.

Wir FÜNF 🙂

Eure Sandi

Familienbett Roulette

IMG_6826.JPG

Wie ist das bei euch liebe Muddis? Wie schlaft ihr? Seid ihr in der ‚Ach ich finde es eigentlich ganz gut so wie es ist‘-Phase oder hadert ihr mit eurem nächtlichen Schicksal?

Bei uns ist das ja so. Lily, Schreikind von Minute eins, schlief tatsächlich ab ihrem ca 16. Lebensmonat nach dem nächtlichen Abstillen und nachdem ich wieder schwanger war, alleine in ihrem Zimmer. Das klappte bei ihr so absurd gut, dass bei mir keine Zweifel aufkamen. Ich vermisste ihren kleinen warmen Körper neben mir zwar, aber mit wachsender Kugel erfreute ich mich doch auch am gewonnen Platz für mich. Lily machte das wirklich toll. Schlief ohne ein Muh oder Mäh alleine ein. Anfangs noch mit Hand, dann reichte meine Anwesenheit im Zimmer, dann sagte sie irgendwann selber, dass ich raus gehen kann. Ich war völlig verblüfft. Und natürlich stolz. Schlaflernprogramme und Co waren und sind mir zuwider und mir war klar, falls mein Kind absolut nicht alleine schlafen will, muss es das nicht. Punkt. Aber sie machte es, schlief besser als mit mir in einem Raum und ich musste nachts nicht einmal aufstehen und nach ihr sehen.

Selbst als Theo geboren wurde, änderte sich daran nichts. Zunächst. Dann kam unser erster gemeinsamer Urlaub, da war Theo ca 8 Monate alt und wir hatten nur ein gemeinsames Bett. Lily durfte also natürlich auch mit zu uns. Von da an war irgendwie auch zu Hause in ihrem Zimmer oder Bett schlafen ein absolutes no-go. Sie wollte es nicht mehr, weinte wenn wir es doch versuchten und so nahmen wir sie immer wieder mit zu uns und probierten schließlich gar nicht mehr zu der alten Schlafsituation zurückzukehren.

Irgendwann zog dann der Hubbs aus. Zum einen weil er unter der Woche sehr früh raus muss, zum anderen weil ich mit nun zwei kleinen und durchaus liebenswerten ‚Störfaktoren‘ für meinen Schlaf beschäftigt genug war und mir des Hubbs‘ Schnarchen nur den Rest gab.

So entstand unsere gegenwärtige Schlafkonstellation. Ich in der Mitte, Kinder neben mir, mal mit mehr, mal mit weniger Platz. Und ja, tatsächlich, finde ich es momentan gar nicht so schlecht. Ich liebe es ihren Atem zu hören, nachts wenn ich ins Bett schleiche. Ich liebe es mich an sie kuscheln zu können. Bei ihnen zu sein, wenn sie schlecht träumen oder im Schlaf reden. Ich bin einfach da. Tags wie Nachts. Aber ich bin halt wirklich immer ‚da‘. Ich merke dass meine Tiefschlafphase nur noch bedingt so genannt werden kann, denn selbst wenn neben mir ein Kind nur leise pupst, wache ich davon auf. Dennoch für mich momentan kein Grund etwas grundlegend zu ändern. Auch wenn mit der erneuten Schwangerschaft nun, doch wieder Zweifel aufkommen. Denn mit einem Neugebornen noch dazu, kann ich mir das nur wenig vorstellen. Zumindest in den ersten Wochen.

Für mich war das Schlafengehen früher als Kind immer furchtbar. Ich hatte Angst. Nackte Angst. Vor allem… Trennung von meinen Eltern, dem Alleinsein, Monstern unterm Bett oder im Schrank, vor der Dunkelheit. Ich hatte Bauchgrimmen wenn ich bemerkte, dass der Zeiger der Uhr langsam in Richtung Ins-Bett-geh-Zeit zog. Das wollte ich niemals für meine Kinder. Nie!

Trotzdem bietet das Familienbett ja nicht nur Kuschelmomente und Sicherheit. Es ist hin und wieder wirklich absurd wie wir da auf unseren 2,40 selbstgebauten Metern liegen und uns einrichten. Hier mal ein paar Beispiele die euch vielleicht bekannt vorkommen könnten.

Die Käsefuß-Falle:

img_6822

Wer ist nachts nicht schon aufgewacht und hatte plötzlich das komische Gefühl, er hätte gerade den Kühlschrank geöffnet, in dem schon seit Wochen ein Bergkäse in einer offenen Tupperdose vor sich hin müffelt? Am besten sind diese besagten Käseflossen noch eiskalt und werden einem in die gerade mühevoll aufgewärmten, unmöglichsten Stellen gesteckt.

 

Allein gegen Windmühlen:

img_6821

2,40m klingen so viel. Ich glaube in Wirklichkeit reizen wir nicht mal die Hälfte des Platzes aus. Das heisst zumindest spreche ich da für mich. Den gleichen Komfort hätte ich wohl auch auf einer 90er Matratze mit den zwei Zwergen zusammen. Mein Platz beschränkt sich dann doch immer auf kuschlige 40-46cm… wenn man das bei meinen wachsenden Ausmaßen tatsächlich noch so sagen kann.

Das Löffelchen:

img_6825

Hat man sich mal losgeeist von der schlafenden Brut, also so chirurgisch von dem kleinen mit tausend Sensoren ausgestatteten Körper extrahiert, und wähnt sich in Sicherheit, träumt schon von einem Schlaf in körperlicher Freiheit und einer Schlafposition wie es einem gerade so beliebt, kommt eines dieser Menschlein plötzlich wieder auf einen zugerollt, als wären da Magneten, die uns unweigerlich anziehen- Plopp- !

Der Jesus:

img_6824

Bei uns gern praktiziert, da das beliebteste Einschlafritual oft nur mit einem Wort eingefordert wird: “ AAAAAAARM ! “ Maximale Mamanähe für die Kinder, minimale Bewegungsfreiheit für Muddi plus kompliziertem Aufstehprocedere, wenn die Kinder dann mal schlafen und man sich irgendwie aus diesem Gefängnis der absterbenden Arme befreien will. Und, oh ja, das will man!!!

Angriff der Kuschelkäfer:

img_6823

Wenn „AAAAAARM“ mal nicht reicht und die Mamaspeicher nachts irgendwie nach Aufladen schreien, wird es eben auch mal ein rechtes Kuddelmuddel. Schlecht wenn man auf Sauerstoff beim Schlafen ungern verzichtet wie ich. Aber hey, alles Übungssache. Taucher lernen das ja auch.

Der ‚PAPA‘:

img_6829

Ob wegen Krankheit oder weil ich einmal alle Schaltjahre den Hubbs einfach darum bitte mich in meiner Rolle als lebendes Kuschelbärchen zu ersetzen, ist das meine Stunde um den Spieß einmal umzudrehen. Oder wer dreht den Spieß hier rum? Meißt beschweren sich die Kinder am nächsten Morgen jedenfalls darüber, dass der Papa ’so laut grunzt beim schlafen‘ oder ihnen keinen Platz ließ. Aber geschlafen haben sie, der Hubbs auch. Und er scheint auch immer ziemlich gut erholt und relaxed. Ich frag mich also ernsthaft mit welcher Kraft er da Nachts seinen Platz behauptet.

Ihr seht also. Familienbett ist echt nix für Weicheier. Oder macht gerade das mich zu einem Weichei, weil ich nicht einsehe nachts durch die Gegend zu wandern- von Kinderzimmer zu Kinderzimmer? Weil ich einen warmen, beengten Ort dem nackten Fußboden vor dem Kinderbett vorziehe? Ich weiß es nicht. Es gibt auch hier, wie in so gut wie allen Themen der Kindererziehung oder -beziehung, kein richtig oder falsch. Solange wir Muddis des Nachts zumindest ein wenig unsere oft so leergesaugten Akkus aufladen können, um morgens wenn auch mit literweise Kaffee und Streichhölzern in den Augen weiterzumachen, dann ist das gut so. Egal wie ihr das anstellt.

Eure Sandi

 

Schlafanzüge ( Lily: H&M aktuelle Kollektion / Theo: gebraucht von GAP )

 

 

Die Tonies und WIR

Ihr Lieben. Es ist mal wieder so weit. Ein Blogartikel- ist es denn die Möglichkeit!?! Und dann gleich Werbung, werdet ihr euch vielleicht denken.

Stimmt. Irgendwie. Aber keine Werbung, die ich machen musste oder mich dazu verpflichtet habe. Ich habe diese Artikel zwar kostenlos bekommen, aber keinerlei Verpflichtung darüber zu berichten. Ich tue es trotzdem, weil mich die Idee dahinter und auch das Produkt schlichtweg überzeugt.

Es flatterte also letztens ein Paket ins Haus mit einem Tonies Starterset in rot, dem dazugehörigem Löwen und einem zusätzlichen Kreativtonie.

Es sah schonmal auf den ersten Blick alles total bunt und schön und kindgerecht aus. Es war knuffig und toll anzufassen. Und wir überlegten schonmal wie man das Ganze in Gang bringt, da bog der Hubbs um die Ecke.

img_4298

‚Was ich da schon wieder bestellt habe‘, wollte er wissen. Da konnte ich gleich mal kontern, dass ich nix bestellt habe und auch nichts zahlen muss und wir hier etwas geschenkt bekommen. „Aha!“ War die nüchterne Antwort. Ich gehöre weiß Gott nicht zu denen die dauernd Werbedeals an Land ziehen, Kooperationen eingehen und PR Samples bekommen. Die paar Male, die das der Fall war, waren meist irgendwelche Produkte dabei, für die der Hubbs nun wirklich nicht mehr als ein müdes Lächeln übrig hatte. Ich fragte ihn so im vorbeigehen: „Weißt du wie ich das Ding hier mit unserem WLAN vernetze?“ Er drehte fast auf dem Absatz um. „WLAN?“ Die Augen bekamen urplötzlich so ein gewisses Leuchten, wohl sonst nur bei Frauen in der Schuhabteilung zu beobachten. „Äh, ja, das ist eine Art portable MusicStation für Kinder CD s und Hörspiele und die muss man erstmal einrichten…“ erwiderte ich.

Ja da hatte ich die handliche toniebox auch schon die längste Zeit gehabt. Der Hubbs nahm sie an sich, bewunderte sie (sehr schön verarbeitet, sehr hochwertiges Material, geniale Idee… raunte er zwischendurch vor sich hin) und schloss die Box ans Netz an und lud den AKKU auf. In der Zeit hatten die Kids und ich Muße um die schönen Figuren dazu zu studieren.

Die Idee ist ja wie folgt: Die toniebox ist ein Kubus überzogen mit weichem Textil, praktisch unkaputtbar. Oben ist eine glatte Fläche, magnetisch, auf die sich die verschiedenen Figuren stellen lassen. Hier gibt es mittlerweile Bibi Blocksberg, Benjamin Blümchen, Rabe Socke, den kleinen Eisbär, Conni u.v.m. . Quasi als CD Ersatz, nur weit aus weniger empfindlich und besser aufzubewahren. Die Tonies Box an sich lässt sich kinderleicht (im wahrsten Sinne des Wortes) bedienen. Stellt man die Figur oben auf, geht die Geschichte los, nimmt man sie runter stoppt sie. Mit den zwei Ohren oben dran, regelt man die Lautstärke. Und ja, das wurde hier bis zum Geht-nicht-mehr geprobt…. ich kann sagen, taub bin ich noch nicht geworden, denn selbst die lauteste Lautstärke bläst einen jetzt nicht um- auch das ist also auf Kinder abgestimmt. Die Kapitel kann man mittels einmal links oder rechts klopfen überspringen bzw zurückspringen. Mit aufgeladenem Akku kann man die toniebox auch einfach mal mitnehmen und muss keine Angst haben, dass dabei was kaputt geht

Als ich das erste mal von der Idee gehört hatte, konnte ich es mir nicht so recht vorstellen, aber war total neugierig. Denn wenn meine Kinder etwas drauf haben, dann ist es zerstören. Und wenn sie etwas mit Vorliebe zerstören, dann sind es CDs… CD Spieler und Hüllen. Oh ja. Die CD Sammlung vom Hubbs kann davon ein Lied singen. Oder eben nicht mehr singen mittlerweile. Und ich fahre seit bestimmt einem halben Jahr mit kaputtem Autoradio, weil mein werter Sohn dachte er spielt mal eben einarmiger Bandit damit und wirft Geld in den CD Schlitz. Dumm nur, dass unten nicht wieder Geld bzw mehr Geld rauskam. Die Große hat mal zu Weihnachten einen kleinen portablen Kinder CD Spieler geschenkt bekommen, sich auch wahnsinnig drüber gefreut, aber noch am selben (un)heiligen Abend vom Tisch fallen lassen, seither war auch er nie wieder der selbe. Sind wir mal ehrlich, auch ich habe so einige CDs auf dem Gewissen, denn, verflucht nochmal, die Dinger sind einfach auch dünnhäutiger als jede Diva, die verzweifelt auf ihr Snickers wartet.

Darum und genau deshalb war das einfach eine Sache die wir testen MUSSTEN.

Der Hubbs war also nach ca 10 Minuten fertig und hatte die Box eingerichtet, auf meine Frage hin, ob ich das wohl auch alleine geschafft hätte oder ob man dazu besonders technisch begabt sein müsste, meinte er: „Schon aber du hättest ganz schön lang gebraucht.“ Heisst so viel wie: Wenn er Papa ein Händchen für sowas hat, vermutlich lieber den machen lassen. Ansonsten wuppt man das auch so. Alles was danach kommt, ist dann eh Kinderspielchen.

Die Große durfte also den Löwen auf das Feld setzen und los ging die Geschichte. Die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte. Allein schon der Geschichte wegen, bin ich ein bisschen verliebt in dieses Ding. Ein süßeres Hörspielabenteuer hab ich echt lang nicht gehört. Der Löwe, der sich in eine sehr belesene Löwin verliebt, ihr einen Liebesbrief schreiben will- aber eben nicht schreiben kann- auf dem Weg durch die Savanne, um die verschiedensten Tiere zu fragen, ob diese für ihn einen schreiben könnten. Aber jedes Tier versteht nunmal so etwas ganz anderes von der Liebe und wie er sie der Geliebten gegenüber ausdrücken würde (der Geier verspricht der Löwin viel schmackhaftes Aas und der Mistkäfer eine leckere Ladung Mist)… einfach nur herrlich und mal was ganz anderes als Conni und Co.

Dieser Tonie (Das Wort ‚Tonie‘ ist schon fest im Wortschatz der zwei Zwerge angekommen) war also schon mal der absolute Renner. Blieb noch der Kreativ Tonie. Eine wie ich finde sehr schöne Sache. Er ist quasi eine leere ‚Kassette‘ (Für all jene die noch in den 90rn festhängen so wie ich manchmal) zum bespielen. Mit eigenen Lieder, Geschichten etc. Etwas ganz wundervolles, wenn zum Beispiel wichtige Menschen eine Geschichte drauf spielen oder etwas darauf singen. Ich kann es jedenfalls kaum erwarten, dass meine Schwester aus den USA kommt und den zweien eine Geschichte aufnimmt und wir die dann die toniebox, wenn die Vermissung groß und meine Lust auf eine Gute-Nacht-Geschichte mal gering ist, mit ins Bett nehmen und ein wenig der Tante aus Übersee beim Geschichten erzählen zuhören können.

So jedenfalls meine romantische Vorstellung davon. Ich werde zu gegebener Zeit darüber berichten!

Die toniebox lege ich euch als Weihnachtsgeschenk also ehrlich ans Herz. Der Anschaffungspreis von 79,95,-  (Starter Set mit Löwe) ist zwar relativ hoch, aber ihr bekommt definitiv was für euer Geld. Die Qualität, auch und gerade von technischer Seite her, haben den Hubbs, der sich in diesen Dingen nun wirklich auskennt, absolut überzeugt. Die toniebox in verschiedenen Farben und auch alle erhältlichen Tonies gibt es zur Zeit bei Jakoo. Die einzelnen Tonies kosten zwischen 11,99 und 14,99. . Alternativ kann man alle infos und natürlich auch die Produkte selbst über den Tonies shop beziehen ( http://www.tonies.de ).

Das wars jetzt von mir.

Over and out.

Eure Sandi Beach

Mit dem Essen spielt man nicht…

IMG_9307So…       IMG_9205

 

ich wollte euch ja berichten wie es uns mit den neuen Mitbewohnern Mr. und Mrs. Foodface so erging.
Dafür muss ich erst mal etwas vorweg erzählen: Meine Kinder sind furchtbare Esser. Also echt. Ok vermutlich sagt das fast jede Mama über ihren Nachwuchs. Aber ne, bei uns stimmt das.
Lily war ja schon furchtbar bei diesem Thema… immer zu mäkelig und wollte nichts probieren. Gestillt hab ich sie bis zum Umfallen und feste Nahrung musste ich ihr erst mal mit viel Energie schmackhaft machen. Dann kam Theo und ich dachte ich wäre schon mit allen Wassern gewaschen. Pah, der Mini lehrte mich wirklich schon viel, aber in erster Linie, dass es immer anders kommt, wie ich es mir denke. Erstmal ausschließlich Muttis Milchbar, Brei war nicht mal ansatzweise in ihn reinzubringen, Fingerfood war für ihn auch eher Knetmasse als schmackhafte Bauchfüllung und egal was ich zauberte es fand meistens seinen Weg auf den Fussboden.
Das alles führte langsam aber sicher dazu, dass die Mahlzeiten nicht so entspannt und locker ablaufen, wie es der ganzen Sache wohl zuträglich wäre. Immer wieder predige ich mir selbst einfach mal durchzuatmen und mich auf die Intuition der Kinder zu verlassen, aber wie das so ist mit der inneren Stimme… man überhört sie gern. Es ist ja erwiesen, dass Kinder, ganz im Gegenteil zu uns Erwachsenen, noch ein ganz natürliches Sättigungsgefühl haben und der Körper genau steuert, was er gerade braucht. Bietet man ihnen zu jeder Mahlzeit ausreichend Auswahl, werden sie sich genau das nehmen, was ihr Körper benötigt. So die Theorie. So hab ich das auch des Öfteren gelesen und versuche mir das täglich vorzubeten. Nur scheinen meine Kinder dann ausschließlich von Nudeln und Soße leben zu können. Was mir jetzt Vitamin- und Nährstofftechnisch nicht unbedingt wie der Jackpot vorkommt. Gut sie snacken Obst, hin und wieder mal eine Paprika oder Tomate aber die Hauptmahlzeiten, also ein vollwertiges Mittag- oder Abendessen scheint eine fast unmögliche Hürde.

So kommt es also, dass die Mahlzeiten nicht selten von Feilscherei und Diskussionen geprägt sind. „Lily noch 5 Löffel, dann gibt es nachher eine Folge ‚kleine Prinzessin‘!“ „Drei Löffel Mama!“ „Lily du hast noch nichts gegessen, 5 Löffel, komm schon.“ „Nein, nur 3, so wie ich alt bin!“ „Grmpppff… 4 Lily, weil du ja bald 4 wirst! Und G R O ß E Löffel, ja?“ „Ok Mama.“ Kind stochert unmotiviert im Essen rum… Nicht selten werden ausgemachte Löffelanzahl wie auch in Aussicht gestellte ‚Belohnung‘ nicht eingehalten. Weil es schlicht und ergreifend eine Stunde und viele Tränen des Trotzes dauern würde, ihr die Löffel in den Mund zu argumentieren. Dann gibt es eben keine ‚kleine Prinzessin‘… keinen vollen Bauch. Dann landet das Essen eben wieder in der Tonne oder wird am Abend vom ausgehungerten Hubbs verschlungen. Einer muss ja gewinnen bei der Sache.

Ganz klar, dass das wenig befriedigend ist. Der Mini lässt natürlich noch nicht mit sich feilschen. Er hat dennoch seine eigene, ganz genaue Vorstellung davon wie Essen auszusehen hat. Entweder es ist ein Babybel, eine Avocado, Cranberries, Banane oder ein Früchteriegel…. dann hat es gute Chancen in seinen Bauch zu wandern. Ok bei Schokolade und Co hätten die Chancen gar nicht erst ausgerechnet werden können, da sie schon bei bloßem Sichtkontakt vernichtet worden wären, gerne auch mit Verpackungsmaterial. Die andere, einzig andere Möglichkeit wohl gemerkt, ist noch die, dass es Nudeln mit roter Sauce sind. Das wird gegessen. Meistens. Aber beim Mini ist nie etwas gewiss. Man findet mich also gerne des Mittags in der Küche, verzweifelt alle Zutaten aus dem Kühlschrank die da ’nahrhaft‘ und ‚gesund‘ schreien in den Thermomix werfen und eine Wagenladung passierte Tomaten dazukippen. Hauptsache rot. Hauptsache Nudeln. Das klappt recht gut. Macht die Mahlzeiten aber auch wenig spannend und vielseitig.

Bin ich mal echt so wagemutig und hab Zeit, die ich gern völlig unnötig wegwerfen möchte, koche ich etwas neues. Etwas, das ich mal vom hören sagen als ‚kinderfreundlich‘ aufgeschnappt habe. Fühle mich dabei wie ‚Powermuddi of the year‘ und eine wohlige Genugtuung kommt über mich, wenn ich mir vorstelle, welch gesundes und wertvolles Mahl ich meinen Sprösslingen bald einverleiben werde. Irre oder? Mir geht es da durchaus ähnlich, wie bei mir selbst… , wenn ich mal einen Tag nicht so gut und ausgewogen gegessen habe, nagt ja schon ein wenig das schlechte Gewissen und andersrum. Genau so ist es bei meinen Kindern. Wenn ich am Abend so Revue passieren lasse, welche Speisen durch meine Kinder durchgeschleust wurden an dem Tag und es mal durchaus zufriedenstellend war, so fühle ich mich gleich viel besser und mache vor dem inneren Auge einen Haken. ‚Check, Vitamine für diesen Tag aufgenommen! Nächste Challenge Morgen!‘

Aber ja es ist wirklich eine Challenge. Welche Mama kocht schon gern und sitzt dann nach getaner Arbeit vor langen Gesichtern, bekommt den Teller in Wikinger Manier entgegen geschmettert mit einem herzallerliebsten ‚NEEEEEIIIIIIN‚ und blickt in lange Gesichter?! Neuerdings wird seitens des Bruce‘ auch noch gespuckt. Ein absolutes No-go. Er nimmt den Löffel in den Mund, wägt mich in Sicherheit und dann ‚Pfaaahhhhhh‘ fliegt der triefige Inhalt angewidert auf den Boden, als wolle er sagen: „Weib, was ist das?“

Blutruck bei 389… circa.. soviel zum Thema entspannte Mahlzeit.

Kommen wir also zu Mr und Mrs Foodface.

War mir und ist mir schon klar, dass diese bunten Teller meine spitzlippigen, skeptischen Kinder zu kulinarisch aufgeschlossenen Wesen macht. Wär zu schön. Aber ich wollte damit diese ganze Atmosphäre beim essen, die wirklich in letzter Zeit und seit der Mini seine Trotzphase so richtig auslebt und das Essen nicht selten als Bodenbelag nutzt, zu einem erfreulicherem und entspannterem Erlebnis zu machen. Oder lassen wir die etwas zu hoch gegriffenen Adjektive weg: Zu einem Erlebnis machen. Das reicht.

Ich muss sagen es wirkte. Anfangs war das AHA echt groß und vor allem bei Lily funktionierte diese spielerische Tour a lá ‚Iss doch mal die Kette noch auf!‘ oder ‚Oh schau, da musst du noch die Haare weg essen, sonst sieht sie ja nichts!‘ richtig gut. Der Mini lachte wenigstens über die von mir, zugegeben etwas unkreativ, zusammengestellten Kunstwerke.

Aber ganz klar, ich konnte und kann es eben auch nicht jeden Tag einsetzen. Wie viele verschiedene Wege gibt es auch Nudeln mit roter Sauce spannend um ein Gesicht herum zu dekorieren?! Joa…eben, nicht sehr viele. Irgendwann ist halt auch der Drops gelutscht.

Jetzt setze ich die Teller sporadisch ein und habe schon das Gefühl, dass zumindest die Freude sich an den Tisch zu setzen damit wächst. Nicht die Lust am Essen. Aber die Lust an der Sache an sich. Und das ist schonmal gut so.

Auch ich komm dadurch an den Punkt, an den ich eigentlich dauerhaft gelangen sollte: Mehr Gelassenheit und weniger Stress im Umgang mit diesem Thema. Man sagt zwar ‚Mit dem essen spielt man nicht‘, aber Kinder gewinnt man nunmal durch spielen. Und der Zweck heiligt eben (fast) alle Mittel!

‚N Guten ihr Lieben 😉

IMG_9266